Erich Loest (1926 in Mittweida): Roman „Nikolaikirche“ (1995) Loest ist ein deutscher Schriftsteller und schreibt auch unter den Pseudonymen Hans Walldorf, Bernd Diksen und Waldemar Naß. Für sein literarisches Schaffen hat er viele Literaturpreise und Ehrungen erhalten. Der Vater Albert Bacher ist Altkommunist und General der Volkspolizei. Seine Tochter Astrid ist von Beruf Stadtplanerin. Sie verweigert die Anpassungsleistung über den Widerspruch zw. dem Recht auf menschenwürdiges Wohnen und dem realen Verfall der Bausubstanz in Leipzig hinwegzusehen und wird schließlich aus der SED ausgeschlossen. Ihr Bruder Alexander dient als Stasi-Offizier und warn seine Schwester vor dem Kontakt mit den „Staatsfeinden“ im Umfeld der Nikolaikirche. Loest führt den schleichenden Generationskonflikt und Werteverfall in den staatstragenden Familien und den aufkeimenden Widerstand einer anfänglich geringen Zahl mutiger Oppositioneller zusammen. Beides mündet in dem Zusammenbruch des Regimes und die friedliche Revolution, die die Nikolaikirche als Ort und Symbol repräsentiert. Verena Stefan (1947 in Bern): Roman „Häutungen“ (1975) Dieser Roman war erster deutschsprachiger Text der Neuen Frauenbewegung „Eurore“. Als Verena Stefan 1974 begann, ihr Buch zu schreiben, gab es in Deutschland weder Freuenbuchläden noch feministische Verlage. Für sie war damals die Tatsache, ein Buch zu schreiben, „die geeignetste Form, für die Sache der Frauen zu handeln.“ Bereits im Mai 1977, zwei Jahre nach Erscheinen des Buches, betrug die Auflage 125 000 Exemplare – und das, obwohl die Werbung nur über Mundpropaganda lief. Die Auflagenhöhe von Häutungen hat es möglich gemacht, den Verlag „Frauenoffensive“ aufzubauen. Es wurde das meistgelesene Buch der neueren Frauenliteratur. Der autobiographische Roman schildert das Leben einer jungen Frau, die auf der Suche nach sich selbst ist und dabei einen schmerzhaften Ablösungsprozess von den traditionellen Lebensgewohnheiten der 60er und 70er Jahre durchmacht. Das Buch erregte bei seinem Erscheinen im Jahre 1975 als erster zeitgenössischer deutschsprachiger Text der neuen Frauenbewegung mit der Thematisierung lesbischer Liebe großes Aufsehen. Thomas Bernhard (1931 in Heerlen, Niederlande - 1989 in Gmunden, Österreich) Bernhard war ein österreichischer Schriftsteller und zählt zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schriftstellern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er wurde als uneheliches Kind geboren. Seine Kindheit in Salzburg war durch den Aufenthalt in einem nationalsozialistischen, später streng katholischen Erziehungsheim geprägt. Bereits als Jugendlicher litt er unter gesundheitlichen Problemen. Seine chronische Lungenkrankheit und seine soziale Außenseiterposition trugen dazu bei, Land und Leute aus einer eigenen, distanzierten Perspektive betrachten zu können. Zw. 1955 und 1957 studierte er Musik und Schauspiel am Salzburger Mozarteum und beschäftigte sich eingehend mit B. Brecht. Erste journalistische Erfahrungen machte er als Gerichtsreporter. Ebenfalls Mitte der 50er Jahre veröffentlichte er erste Gedichtsbände und Prosawerke, in denen bereits Attacken gegen das österreichische Provinzleben zu finden sind. Zu den frühen Bühnenarbeiten des provokanten Dramatikers gehörten Stücke wie „Die Jagdgesellschaft“ (1973) und „Die Macht der Gewohnheit“ (1974). Ab Mitte 70er Jahre arbeitete der sonst eher einzelgängerische Thomas Bernhard (TB) bei sämtlichen Projekten mit Gleichgesinnten wie Claus Peymann und Bernhard Minetti zusammen. Die Schauspieler-Hommage „Minetti“ (Stuttgart, 1977) wurde aber von Publikum und Kritik allerdings eher wegen des mitreißenden Spiels des Protagonisten (Minetti persönlich) gelobt. Ebenfalls in Stuttgart wurde die Groteske „Vor dem Ruhestand. Eine Komödie von deutscher Seele.“ (1979) aufgeführt, in der die Nazivergangenheit eines Gerichtspräsidenten aufgerollt wurde. Weitere Stücke mit Minetti und Peymann folgten, darunter Theaterstücke „Der Weltverbesserer“ (1979) und „Der Schein trügt“ (1983) Nicht nur die Theaterstücke lösten Skandale aus - auch seine Prosawerke führten gelegentlich zu gerichtlichen Auseinandersetzungen. Als Konsequenz ließ TB seine 1984 die Auslieferung seiner Bücher nach 5 Österreich untersagen. Mit dem Theaterstück „Heldenplatz“ (1988), inszeniert von Peymann, trug der Dramatiker zu seinem Ruf als „Nestbeschmutzer“ bei - die profunde (gründliche) Kritik an der österreichischen Gleichgültigkeit und dem damit verbundenen neuen (alten) Antisemitismus wurde heftig zurückgewiesen. Wenige Monate nach der Uraufführung des kontroversen Stückes starb TB im Alter von 58 Jahren an den Folgen seiner chronischen Lungenkrankheit.