Wolfgang Borchert (1921 in Hamburg - 1947 in Basel) Er ist einer der bekanntesten Autoren der Trümmerliteratur, jener kurzlebigen Literaturepoche nach dem Zweiten Weltkrieg, die vom Zusammenbruch der Städte, von Familienstrukturen und den Trauma des Krieges geprägt war. Leben: Wolfgang Borchert wurde als Sohn des Volksschullehrers Fritz Borchert und dessen Ehefrau, der Heimatschriftstellerin Hertha Borchert, in Hamburg-Eppendorf geboren. Schon im Alter von 15 Jahren begann er, Gedichte zu schreiben, von denen einige später im Hamburger Anzeiger veröffentlicht wurden. Auf Verlangen seiner Eltern fing er 1939 eine Buchhändlerlehre bei Heinrich Boysen an, nahm aber nebenbei Schauspielunterricht bei Helmuth Gmelin. 1940 brach er seine Buchhändlerlehre ab, nachdem er die Schauspiel- Abschlussprüfung bestanden hatte. Im März 1941 wurde er von der Landesbühne Osthannover engagiert, musste sein Engagement jedoch bereits im Juni wieder beenden, da er zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Zweiter Weltkrieg: Vom Juli bis November 1941 durchlief Borchert eine Ausbildung zum Panzergrenadiner bei der 3. Panzer-Nachrichten-Ersatz-Abteilung 81 in Weimar-Lützendorf. Der erste Fronteinsatz führte ihn in den Raum Klin-Kalinin, wo er im Januar 1942 verwundet wurde. Eine sich einstellende Diphtherie brachte ihn in das Heimatlazarett Schwabach. Unter dem Verdacht, sich die Schussverletzung an der linken Hand selbst beigebracht zu haben, wurde er der Wehrkraftzersetzung angeklagt. Die Gerichtsverhandlung fand nach drei Monaten Einzelhaft im Untersuchungsgefängnis Nürnberg statt. Der Anklagevertreter forderte die Todesstrafe, das Gericht sprach ihn am 31. Juli jedoch frei. Borchert blieb weiterhin in Untersuchungshaft, diesmal angeklagt, mit seiner brieflichen Korrespondenz gegen das Heimtückegesetz verstoßen zu haben. Das Verfahren endete mit einer Verurteilung zu sechs Wochen verschärfter Haft mit anschließender „Frontbewährung“. Der Weg zurück an die Front ging Ende 1942 über das Ersatzbatallion seines Regiments in Saalfeld und die Garnison in Jena. Im Dezember 1942 wurde er als Melder in den Panzerkämpfen um Toropez eingesetzt, er zog sich Fußerfrierungen zu, wurde erneut ins Lazarett überstellt, wo er sich schließlich mit Gelbsucht und Fleckfieber infizierte. Anfang 1943 erfolgte die Verlegung in das Seuchenlazarett Smolensk, im März die weitere in das Reservelazarett Elend (Harz). Im Januar kam Borchert auf Urlaub in das von Bombenangriffen stark in Mitleidenschaft gezogene Hamburg zurück. Im „Bronzekeller“ trat er mit kabarettistischen Einlagen auf - erhalten blieben sind „Der Tausendfüßler“, „Die Zigarettenspitze“, „Brief aus Rußland“. Im Oktober kehrte er zu seiner Kompanie nach Kassel- Wilhelmshöhe zurück, diesmal in Erwartung seiner Entlassung und seiner Freistellung für ein Fronttheater aufgrund einer fortschreitenden Lebererkrankung. Seine kabarettistischen Betätigungen brachten ihm statt dessen im Dezember 1943 die erneute Verhaftung ein. Im Januar 1944 wurde er von Jena aus in das Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit überführt, wo ihm im September vor dem Zentralgericht des Heeres der Prozess wegen Wehrkraftzersetzung gemacht wurde. Borchert wurde im Verlauf zu einer Gefängnishaft von neun Monaten verurteilt und wenig später „zur Feindbewährung an der Front“ entlassen. Die Einheit, der er zugewiesen wurde, ergab sich 1945 in der Nähe von Frankfurt am Main französischen Truppen. Während des Abtransports in die Gefangenschaft gelang ihm die Flucht - zu Fuß schlug er sich, mittlerweile schwer krank, nach Hamburg durch, wo er am 10. Mai 1945 bei seinen Eltern ankam. Nachkriegskarriere: Nach dem Krieg versuchte Borchert in der Theater- und Kabarettszene Fuß zu fassen. Vom 1. November bis 15. Dezember übernahm er die Regieassistenz bei einer Aufführung von Lessings „Nathan dem Weisen“ im Hamburger Schauspielhaus. Außerdem wurde er Texter für das Hamburger Kabarett Janmaaten im Hafen und trat selbst vorübergehend auf. Er wurde Mitbegründer des Hinterhoftheaters Die Komödie in Hamburg-Altona, musste aber aufgrund des sich verschlechternden Gesundheitszustandes die meiste Zeit das Bett hüten. Am 24. Januar schrieb er die Erzählung Die Hundeblume. Ab Ostern war Borchert wieder zu Hause. Die Ärzte gaben ihm noch etwa ein Jahr zu leben. Bis zum Ende des Jahres entstanden in rascher Folge etwa 20 Prosastücke. Im Dezember 1946 veröffentlichte er die Gedichtsammlung Laterne, Nacht und Sterne mit Gedichten aus der Zeit zwischen 1940 und 1945. Unheilbar krank schrieb er noch das expressionistische Werk „Draußen vor der Tür“, das auch sein letz2 tes Werk sein sollte. Borchert starb am 20. November 1947 im Alter von 26 Jahren. Bei einem Kuraufenthalt in Basel in der Schweiz erlag er seiner unheilbaren Leber-Krankheit im Clara-Hospital in Basel. Nur einen Tag später am 21. November 1947 wurde sein Werk „Draußen vor der Tür“, zuvor als Hörspiel gesendet, in den Hamburger Kammerspielen aufgeführt. Nach seinem Ableben wurde noch der Nachlassband „Die traurigen Geranien“ veröffentlicht. Künstlerisches Schaffen: Stilistisch ist Borchert vom literarischen Expressionismus ebenso beeinflusst, wie vom moralischen Pragmatismus Kurt Tucholskys oder Erich Kästners. Er starb zu früh, um am entwickelnden literarischen Leben der Nachkriegszeit teilzuhaben. Seine Forderung nach einer tabula rasa angesichts einer von Lüge und Missbrauch korrumpierten Literatur hatte aber großen Einfluß auf die „Gruppe 47“: „Wir brauchen keine Dichter mit guter Grammatik. Zu guter Grammatik fehlt uns die Geduld. Wir brauchen die (...), die zu Baum Baum und zu Weib Weib sagen und JA sagen und NEIN sagen. Laut und deutlich und ohne Konjunktiv.” Insbesondere benutzt Borchert aber die Sprache des Expressionismus. Der „Schrei“ der jungen (verlorenen) Generation lebt in seiner Sprache fort. Kurze, abgehackte, „verstümmelte“ Sätze bis hin zur Ellipse prägen seinen Stil. Des Weiteren benutzt er (beinahe in jeder seiner Geschichten) Farbsymboliken, die Gegensätze (Kontraste) und Emotionen, aber auch Handlungen ersetzen, respektive widerspiegeln sollen. Das Mittel der Hyperbel und Klimax, sowie Wiederholungen gehören ebenso zu seinen Standardmitteln.
Werke:
Kurzgeschichten: Die Kirschen (um 1945); Das Brot (1946); Das Holz für morgen (1946); Die Küchenuhr; Nachts schlafen die Ratten doch!; Die drei dunklen Könige; Das Gewitter; Schischyphusch; Mein bleicher Bruder; Der Schriftsteller; Die Kegelbahn; Von drüben nach drüben Sonstige: Laterne, Nacht und Sterne (1946); Draußen vor der Tür (1947); An diesem Dienstag (1947); Die Hundeblume (1947); Das ist unser Manifest (1947); Dann gibt es nur eins (Gedicht)