Leben als freier Schriftsteller: 1960 begann er ein kurzes Film-Szenariums-Studium im DDRFilmzentrum Babelsberg und schrieb mehrere Kabarett-Texte. 1962 war er fest angestellter Drehbuchautor bei der DEFA und schrieb einige Fernsehspiele und Drehbücher. Als 1968 sein Drehbuch Jakob der Lügner abgelehnt wurde, arbeitete er es zu seinem ersten Roman um, der 1969 erschien und 1974 doch noch verfilmt wurde. 1971 erhielt er den Heinrich-Mann-Preis und den Charles-Veillon-Preis. Sein berühmtestes Buch, Jakob der Lügner, wurde bisher zweimal verfilmt. Die Verfilmung durch die DEFA war für den Oskar als bester ausländischer Film nominiert (1974, DEFA-Studio der DDR, Regie: Frank Beyer, Darsteller: Vlastimil Brodsky, Erwin Geschonneck, Henry Hübchen). 1972 starb sein Vater. 1973 erschien sein zweiter Roman „Irreführung der Behörden“. Außerdem wurde er in den Vorstand des Schriftstellerverbandes gewählt. 1974 erhielt er für Irreführung der Behörden den Literaturpreis der Freien Hansestadt Bremen und 1975 den Nationalpreis der DDR für Literatur. 1976 unterzeichnete der politisch engagierte Jurek Becker mit elf weiteren Schriftstellern einen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns, was mit dem Ausschluss aus der SED und aus dem Vorstand des Schriftstellerverbands der DDR bestraft wurde. Der Roman „Der Boxer“ erschien. 1977 trat Jurek Becker aus Protest gegen den Ausschluss Reiner Kunzes aus dem Schriftstellerverband aus und zog mit Genehmigung der DDR-Behörden in den Westen, da seine Bücher in der DDR nicht mehr verlegt und Filmprojekte abgelehnt wurden. Außerdem war er der Meinung, dass ständige politische Auseinandersetzungen für die Literatur nur negative Auswirkungen hätten. Trotzdem betonte er: „Wenn ich in der DDR mein Zeug publizieren könnte und mir nicht die Öffentlichkeit genommen würde, möchte ich von morgen an wieder in der DDR leben.“ Von 1978 bis 1984 erschienen zwei weitere Romane (Schlaflose Tage 1978 und Aller Welt Freund 1982) und eine Sammlung von Erzählungen (Nach der ersten Zukunft 1980). Jurek Becker war Gastprofessor an Universitäten und hielt mehrere programmatische Vorträge. 1986 erschien der Roman Bronsteins Kinder. Außerdem schrieb er in diesem Jahr das Drehbuch für die erfolgreiche Fernsehserie Liebling Kreuzberg, für die er 1987 zusammen mit Manfred Krug und Heinz Schirk mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet wurde. Jurek Becker sprach ungern über sein Privatleben. Es ist nur bekannt, dass er drei Söhne hatte (der jüngste, Jonathan, wurde 1990 geboren) und mit seiner zweiten Frau Christine verheiratet war. Er starb an Darmkrebs, der Ende 1995 diagnostiziert worden war. Jurek Becker zum Judentum: Auf die Frage, ob er Jude sei, antwortete Jurek Becker normalerweise: „Meine Eltern waren Juden.“ Er selbst bezeichnete sich als Atheist. Von seinem Vater wurde er nie ins Judentum eingeführt und er war nicht von alleine hineingewachsen. Nach eigenen Angaben war er nur einmal kurz vor einem Drehtermin für das Fernsehen in einer Synagoge, um den Ablauf kennen zu lernen und richtig wiedergeben zu können. Werke: Jakob der Lügner (1969); Irreführung der Behörden (1973); Der Boxer (1976); Schlaflose Tage (1978); Nach der ersten Zukunft (1980, Erzählungen); Aller Welt Freund (1982); Liebling Kreuzberg, Drehbücher zur Fernsehserie (1985-1996); Erzählungen (1986); Bronsteins Kinder (1986); Warnung vor dem Schriftsteller, Drei Vorlesungen in Frankfurt (1990); Amanda herzlos (1992); Wir sind auch nur ein Volk, Drehbücher zur Fernsehserie (1994); Ende des Größenwahns, Aufsätze, Vorträge (1996); Lieber Johnny (2004) - Postkarten an seinen Sohn Jonathan; Ihr Unvergleichlichen. Briefe (2004)